Mu

Afro Finger and Gel

Tigersushi/Int. Gigolo
03


Ah: Mit Afro Finger and Gel präsentieren sich Mu als Leute, die die Maschinen konsequent an die Grenze (und drüber hinaus) kicken können- mit einfach mal aufdrehen ist ja meistens nicht getan. Hier kommen Mu aber genauso rüber- sowas gefällt mir fast immer. Bis vor kurzem pappte auf derartigem immer das Etikett "Electroclash". Hatte das für mich doch immer auch etwas angestrengtes, ist das bei Mu irgendwie nicht der Fall. Afro Finger and Gel rockt, als hätte es nie was anderes gegeben. Und dabei gönnt man sich ziemlich *je nun* „perkussive“ Elemente- mit 4 to the floor hat das erstaunlich wenig zu tun. Selbige werden im Gegenteil genüsslich durch den Wolf gekurbelt. Sogar "echter" Schlagzeugsound geht gut damit. Vor allem fett.
Bei den sonstigen Sounds wird das Plastik kräftig geschreddert, was die Hack-Technik nur hergibt. Die meist verzerrte Stimme deklamiert dazu entlegenes. Oberflächliche Kollegen würden wohl von Trash-Sound sprechen, aber was Mu hier treiben, möchte ich noch nicht mal Lofi nennen, denn dieses Brett wäre ohne neuere Produktionstechnik kaum machbar.
Insgesamt so ziemlich das Gegenteil von Autechre- von der grundsätzlichen Spalttechnik verwandt, aber wo dort ein zuweilen bleischwerer Kunstanspruch regiert, bleibt hier trotz aller Agressionen die Party tatsächlich am Laufen. Weit weg von Klischees und Manirismen und gerade keine Grübel-Kunst, sondern der gute alte Exzess, der auf Afro Finger and Gel mal wieder richtig Laune macht.
Da feiert der Debug-Chef (08/03) sehr zu recht. Sein Kriegsgeschrei kann ich allerdings nicht ganz nachvollziehen. "Jeder Track ein Angriff"? *umpf* Auf Weicheier vielleicht ;o) Naja, Punk ist eben sonst nicht so sein Ding... ;-)
...aber gefeiert werden sollte auf jeden Fall.
Anderer Meinung?