Metallica

St. Anger

Vertigo/Universal
03


Hoo- Metallica...
Das ist nichts weniger, als die Rückkunft der Superhelden. Und siehe da, man leistet sich auf St. Anger einen angenehm rauhen Sound dieser Tage. Nach der Serie von Monumentalwerken in den 80ern, die Metallica zur Legende machten und einem zweiten Frühling Anfang der 90er folgte ja bekanntlich deutliche Rezession mit zuletzt schlicht kraftlosen Alben, die ich mir noch nicht mal mehr testhalber anhören mochte.
Und was ist der erste Satz des wieder erstarkten James Hetfield?
"I wish I could have my wasted days back"- word up! Dickes Ausrufezeichen, maximum respect. Und spürbar zurück zum ursprünglichen Drive geht es mit diesem Sound, der allem Anschein nach unter den eingefleischten Fans umstritten ist. Den theatralischen Monumental-Faktor haben Metallica hier mal beiseite gelassen- wer hinter dem TÜV-geprüften Edelstahl-Turbo her jagt, ist hier völlig fehl am Platze. St. Anger kommt gewissermaßen als "rough mix", also recht ungeschliffen ohne viel Produktionstechnisches Schickimicki. Klingt lebendig, weil es dem Sound Freiheitsgrade lässt. Und das ist sehr, sehr gut so.
Eine Crew, die wie Metallica nun wirklich alles erreicht hat, kann es sich wahrlich leisten, sich aus den Battles um die Pole-Position rauszuhalten. Dass sie es gerade deswegen wieder allen zeigen ist ein gerechter Lohn, finde ich.
Zurück auf los zu einem Kick, mit dem sie mal wieder alle killen wollen, ohne die drucktechnischen Errungenschaften der Monumentalphase gleich ganz auf den Müll zu werfen. Und dieser Spagat glückt auf gewissermaßen entspannte weise, wie ich es diesen zwischenzeitlich fast untoten Dinos auf keinen fall noch zugetraut hätte.
Also: Für mich nicht zuletzt deswegen tatsächlich die sympathischste Metallica-Scheibe ever.
Ganz nebenbei wird durch geschickte Auswahl des Personals (Robert Trujillo von Suicidal Tendencies) auch noch eine längst vergessen geglaubte Einheitsfront wiederbelebt: Nämlich die zwischen Hardcore und Metal- auch kein unsympathischer Gedanke (falls es wirklich bewusste Strategie war), obwohl das Thema an sich von eher musikhistorischem Interesse sein dürfte.

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